Thomas W. H. Koppermann präsentiert:


"Was bedeutet eigentlich ...?"
Begriffserklärungen aus der Welt der Orgeln
(zuletzt geändert:
25.02.2026)
Da nicht jeder Besucher dieser Seiten ein Fachmann ist (das bin ich ja auch nicht),
gibt es immer mal wieder Rätsel zur Bedeutung von orgelspezifischen Begriffen.
Ich habe damit begonnen, einige Begriffe, die mir einfallen, alphabetisch hier aufzulisten
und ohne Anspruch auf Ausführlichkeit mit wenigen eigenen Worten zu erläutern.
(Wer es ganz genau wissen möchte, möge bitte Seiten wie z. B. WIKIPEDIA® befragen.)
Ausgleichsbalg: siehe "Magazinbalg".
Brüstungsorgel: eine Orgel oder deren Rückpositiv, die in die Brüstung der Empore integriert sind.
Brustwerk: ein Orgelwerk (Abteilung der Orgel), das einem Manual zugeordnet ist und dessen Pfeifen sich meist direkt
oberhalb des Spieltisches befinden (es sind oft Zungenpfeifen, die zum Nachstimmen gut erreichbar sein sollen).
Calliope: siehe "Dampforgel".
Crescendo-Walze oder -Schweller: eine Walze oder ein Pedal zur Fußbedienung, wodurch je nach Stellung weniger oder mehr Klang-
Register aktiviert werden; ermöglicht den gleitenden Klang- und Lautstärkewechsel der Orgel, ohne per Hand umregistrieren zu müssen.
Dampforgel: hierbei handelt es sich um eine Pfeifenorgel (meist mit nur einem kurzen Manual recht für wenige Töne),
die nicht mit Wind, sondern mit Dampf aus einer Dampfmaschine betrieben wird und sehr laut ist;
es gab sie z. B. in den USA auf Mississippi-Raddampfern, wo sie nicht nur zur Unterhaltung gespielt wurden,
sondern auch schon von Weitem die Ankunft eines Schiffes ankündigten. Einige alte Exemplare existieren immer noch;
sie werden aber auch noch neu gebaut und dann meist mit Druckluft betrieben. Der Fachbegriff ist "Calliope".
elektrische Traktur: die Tasten bzw. Registerschalter lösen die zugehörigen Funktionen elektrisch aus.
feste Kombinationen: eine bestimmte Anzahl von Voreinstellungen (Registrierungen) ist fest gespeichert.
freie Kombinationen: die Möglichkeit, eine bestimmte Anzahl Voreinstellungen (Registrierungen) veränderbar zu speichern.
Fußlage: die Tonhöhe eines Pfeifenregisters wird in "Fuß" angegeben, abgeleitet von der Höhe der Pfeife mit dem tiefsten Ton des Registers.
Fußschweller: das ist ein Pedal, mittels dem eine Gruppe von Orgelpfeifen (das "Schwellwerk") in der Lautstärke
verändert werden kann, indem bewegliche Jalousien vor einer separaten Pfeifenkammer geöffnet oder geschlossen werden.
Glockenspiel: Manche Orgeln verfügen zusätzlich zu den Pfeifen auch über ein oder mehrere Glockenregister.
Hauptwerk: ein Orgelwerk (Abteilung der Orgel), das einem Manual zugeordnet ist und die Hauptregister enthält.
Holzpfeifen: Orgelpfeifen aus Holz, meist rechteckiger Querschnitt.
Intonation: die wohl wichtigste Tätigkeit der Orgelbauer neben der Stimmung;
die Orgel wird Ton für Ton, Pfeife für Pfeife auf den optimalen Klang im Raum abgestimmt.
Kalkantentritte: bei einigen Orgeln gibt es noch aus früheren Zeiten eine Konstruktion mit paarweisen Fußtritten bei den Bälgen, wo sogenannte
"Balgtreter" ("Kalkanten") den nötigen Winddruck für das Orgelspiel erzeugten, als Orgeln noch nicht über einen elektrischen Windgenerator verfügten.
Heute werden manchmal auch bei der Orgelrestauration wieder Kalkantentritte eingebaut und aktiv für bestimmte Musikstücke genutzt.
Bei manchen kleineren Orgeln gibt es statt der Tritte einen Hebel, mit dem der Balg manuell betätigt wird.
Kondukten: Verbindungen unterschiedlicher Art, z. B. Schläuche zwischen einer Windlade und den
Pfeifenfüßen eines abseits aufgestellten Registers, das nicht direkt auf der Windlade aufgestellt werden kann.
Koppeln: Registerzüge, Schalter oder Fußtritte, manchmal auch verschiebbare Manuale, mit denen Teile des Spieltisches
miteinander verbunden werden können, um Register eines bestimmten Manuals auch auf einem anderen Manual oder dem Pedal
spielen zu können, dem sie sonst nicht zugeordnet sind.
Beim Spielen mechanischer Orgeln sieht man bei aktivierter Koppel Tastenbewegungen, obwohl keine Finger auf diesen Tasten liegen.
Je nach Ausführung und Qualität der Orgel und ihrer Koppeln kann das Spielen gekoppelter Manuale mehr Kraft erfordern.
Luft: siehe "Wind"
Magazinbalg: dieser Balg befindet sich zwischen dem Orgelgebläse (Orgelmotor) und den Windladen;
er dient dazu, Wind zu speichern, den Winddruck zu regulieren und Druckschwankungen auszugleichen.
Manuale: das sind die Tastaturen für die Hände (lateinisch "Manus").
Manubrien: das sind die Bedienelemente (Registerzüge / Schalter) für die (Klang-)Register oder Spielhilfen,
meist griffgünstig neben und/oder über den Manualen angeordnet, beim "Rückpositiv" evtl. aber auch im Rücken der Orgelspieler.
Bei größeren oder schwierigeren Musikwerken oder Konzerten werden oft zusätzlich "Registranten" eingesetzt,
die das Spiel des Organisten in den Noten verfolgen und auf ein Zeichen hin oder bei Markierungen in den Noten
die Registrierung der Orgel ändern und an Vorgaben anpassen.
mechanische Traktur: die Tasten bzw. Registerschalter lösen die zugehörigen Funktionen mechanisch aus.
Mixtur: ein Register von Orgelpfeifen, das aus unterschiedlichen Fußlagen zusammengesetzt ist
und bei dem so mehrere Pfeifen gleichzeitig erklingen.
Oberwerk: ein Orgelwerk (Abteilung der Orgel), das einem Manual zugeordnet ist.
Orgel: ein sehr unterschiedlich gebrauchter und interpretierter Begriff ohne eindeutige Aussage;
bei dem Begriff "Orgel" denken die meisten Menschen aber sofort an die Orgel in einer Kirche,
obwohl es auch Konzertorgeln und Orgeln in der Unterhaltungsmusik gibt.
Im Kirchenbereich handelt es sich überwiegend um ein Pfeifeninstrument mit einem oder mehreren Manualen,
keinem oder einem Pedal, wenigen oder vielen Registern usw.
Bei elektronischen Tasteninstrumenten spricht man allerdings erst dann von einer Orgel, wenn es mindestens
zwei Manuale, ein Pedal, einen Fußschweller und möglichst auch "Zugriegel" (stufenlose Schieberegler für Fußlagen) hat;
alles andere sind (meist einmanualige) Keyboards.
Orgelmotor / Orgelgebläse: das ist der Windgenerator, aus Schallschutzgründen meist abseits der eigentlichen Orgel
oder bei Kleinorgeln in einem schallgedämmten Kasten neben oder unten in der Orgel untergebracht.
Das Orgelgebläse wird in der Regel mit dem Einschalten der Orgel gestartet.
Bei Großorgeln kann das Orgelgebläse riesige Ausmaße haben.
Pedal: das ist die Tastatur für die Füße (lateinisch "Pedes").
Pedaltürme: das sind (bei großen Orgeln) meist die hohen Teile eines Orgelgehäuses,
die meist seitlich links und rechts angeordnet sind und die größten Basspfeifen der Pedalregister enthalten.
Pfeifenstuhl: die Oberseite der Windlade, in die die Pfeifenfüße eingesetzt werden.
pneumatische Traktur: die Tasten bzw. Registerschalter lösen die zugehörigen Funktionen per Druckluft aus.
Prospekt: das ist der Teil des Orgelgehäuses mit den vom Kirchen- oder Konzertraum aus sichtbaren,
vorderen Orgelpfeifen (Prospektpfeifen).
Prospektpfeifen: das sind die "schönen", vom Kirchenraum aus sichtbaren, vordersten Orgelpfeifen,
oft hochglänzend oder kunstvoll verziert. Bei manchen Orgeln sind die Prospektpfeifen ohne Funktion
und dienen nur der optischen Gestaltung; die tönenden Pfeifen befinden sich dann dahinter im Orgelgehäuse.
Rank: eine Reihe von Orgelpfeifen einer bestimmten Klangfarbe, in ihrer Anzahl meist deutlich umfangreicher
als die Anzahl der Tasten eines Manuals, da eine einzige Pfeifenreihe für mehrere Register verwendet werden kann.
(Ranks findet man z. B. bei Kino-/Theaterorgeln, die nach dem "Multiplex"-System aufgebaut sind
und mit wenigen Ranks viele Register erzeugen können.)
Rasterbrett: ein gelochtes Führungsbrett oberhalb einer Windlade, das die Orgelpfeifen auf dem Pfeifenstuhl in Position hält.
Register: eine Gruppe von Orgelpfeifen (oder anderer in die Orgel integrierter Instrumente) einer bestimmten Klangfarbe und Tonhöhe.
Registrant: Bei größeren oder schwierigeren Musikwerken oder Konzerten werden oft zusätzlich Registranten eingesetzt,
die das Spiel des Organisten in den Noten verfolgen und auf ein Zeichen hin oder bei Markierungen in den Noten
die Registrierung der Orgel ändern und an Vorgaben anpassen.
Rückpositiv: ein Orgelwerk (Abteilung der Orgel), das im Rücken des Organisten
z. B. in der Brüstung der Empore eingebaut und einem Manual zugeordnet ist.
Schleierbrett: das ist bei vielen Orgeln der obere Abschluss eines Orgelgehäuses, meist künstlerisch gestaltet bzw. verziert.
Schleife: ein gelochter Schieber zwischen Windladen-Unterteil und Pfeifenstuhl, der den Orgelwind für ein
aktiviertes Register freigibt. Der Antrieb erfolgt entweder per Hand oder elektrisch mittels spezieller Schleifenzugmotoren.
Schwellwerk: das ist ein Orgelwerk, eine Gruppe von Orgelpfeifen, deren Lautstärke per Fußschweller
in gewissen Grenzen über Türen, Klappen, Jalousien oder ähnliches verändert werden kann.
Es gibt Orgeln, bei denen das Schwellwerk über durchsichtige Jalousieklappen verfügt, so dass die Pfeifen immer sichtbar sind.
seitenspielig: eine Orgel, deren Spieltisch an der Seite des Orgelgehäuses angeordnet ist.
Setzer: die Möglichkeit, bestimmte Voreinstellungen (Registrierungen) der Orgel für einen schnellen Abruf zu speichern;
bei modernen Orgeln besteht die Möglichkeit, dass jeder Organist seine eigenen Einstellungen speichert und sichert und
nur selbst Zugriff darauf hat. Je nach Alter und Größe der Orgel kann ein Setzer bis zu mehrere Tausend Speicher haben.
Spieltisch / Spielschrank: das ist der Arbeitsplatz der Organisten (meist durch Klappen oder Abdeckungen verschließbar).
Der Spieltisch kann fest in das Orgelgehäuse integriert sein, aber auch abseits der Orgel oder beweglich
im Kirchenraum aufgestellt sein. Manche Kirchen verfügen auch über mehrere Spieltische.
Stimmschieber, Stimmrolle, Stimmschlitz, Stimmdeckel usw.: Einrichtungen an Orgelpfeifen, um diese exakt stimmen zu können.
Tremulant: das ist eine Einrichtung (z. B. ein spezieller Balg), mit der einem Register oder einer Gruppe von Registern
durch sich wiederholende, gewollte Winddruckänderungen ein "Tremolo"-Effekt gegeben werden kann.
Vorhangregler: ein Schieber am Ausgang vom Magazinbalg zur selbsttätigen Regelung des Windauslasses.
Wind: die Luft, die Orgelpfeifen zum Klingen bringt, wird in Fachkreisen "Wind" genannt.
Windlade: das ist der Teil des Gehäuses, auf dem die Orgelpfeifen aufgestellt sind.
Zimbelstern: das ist ein kleines Glockenspiel mit Glöckchen oder Metallplättchen innerhalb der Orgel
(meist weit oben), das nach Außen im Prospekt durch einen sich drehenden Stern in Erscheinung tritt;
wird gerne bei weihnachtlicher Musik oder bei Hochzeiten und anderen festlichen Anlässen eingesetzt.
Es gibt auch Orgeln mit zwei Zimbelsternen.
Diese Liste wird nach und nach erweitert.
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